Heilbronn,  last edited: Sun, 15 Sep 2019 12:17:50 +0200  
Vor Kurzem beschäftigte ich mich mit der Mobilität der Zukunft, jetzt mal mit der der Gegenwart. Seit fast vier Jahren fahren wir nun einen Toyota Auris Hybrid, und ich bin bei Spritmonitor tapfer am Notieren der Verbräuche. Kürzlich sortierte ich meinen Verbrauch in den dortigen Mittelwert über 371 Fahrzeuge aus den Jahren 2014 bis 2018 ein mit mindestens 10000km Fahrleistung und E10 als Sprit. Das verglich ich mit dem von VW Golf im selben Zeitraum und im Leistungsbereich von 90kW bis 140kW bei gleicher Mindestfahrleistung und gleichem Sprit (272 Fahrzeuge).

Das Ergebnis ist erfreulich und traurig zugleich: Ein Golf mit vergleichbarer Ausstattung benötigt 22% mehr Sprit, das Konzept des Hybridfahrzeugs geht also auf. Traurig sind aber die absoluten Zahlen:

  • Mein eigener Verbrauch sind 5,70l/100km, etwas höher (4%) als der Durchschnitt von 5,48l/100km. Vermutlich liegt das daran, dass das Fahrzeug merklich im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt wird. Die Fahrzeugelektronik heizt beim Start den Motor an und lädt die NiMH-Batterie, die eine merkliche Selbstentladung hat. Batterieladung und Motorwärme gehen also bei kurzen Strecken überproportional verloren.
  • Der Verbrauch der Golfs liegt bei 6,66l/100km. Schränkt man das Baujahr auf das des Golf 1 ein, also 1974 bis 1983 (ohne Spritwahl, ohne Fahrleistung), erhält man immerhin noch 69 Fahrzeuge (Golf 1 und 2) und 8,4l/100km, mit ein paar Ausreißern bei 16l/100km. Ein ähnliches Bild beim Golf 2 mit 7,9l/100km. Und das ist der traurige Teil: Seit den Zeiten eines Golf 1 hat sich die Motorentechnik erheblich verbessert, etwa 20% sind in die Verbesserung des Verbrauchs gegangen, und 50% in das Gewicht, was bei durchschnittlichen Geschwindigkeiten – hier 56km/h – proportional zum Verbrauch ist. Natürlich ist ein relativ aktueller Golf 7 in Bezug auf Sicherheit und Komfort (und Höchstgeschwindigkeit?!) ein anderes Fahrzeug.

Trotzdem: Stellten wir uns mal vor, es wäre anders herum (20% Gewichtszunahme und 50% Verbrauch), wären die 6,66l etwa 4l, und die 5,70l etwa 3,4l. Was könnte damit Energie und heiße Luft in der Klimadebatte gespart werden...
  
@Robert Kormann obwohl ich Deine Expertise sehr schätze, muss ich doch widersprechen. Der Unterschied ist nicht mit Luftwiderstand zu erklären, sondern mit dem Stadtgebiet, in dem ich mich bewege: Berge, schlecht geschaltete Ampeln, Rush-Hour... Permanentes Stop&Go. Unmengen an Menschen, die für den Arbeitgeber mobil sein müssen und täglich durch die Straßen kreuzen. (Dann noch die LKWs mit Essen, das ja immer sehr frisch (vom anderen Kontinent) angeliefert werden muss.) Bereits eine Kleinstadt ist energetisch "teuer". Kein Wunder, das die Luft permanent nach aromatischen Kohlenstoffverbindungen stinkt. Die vielen Roller geben der Stadtluft den Rest. Sie sollten als erstes verboten werden.
Ich denke, die Ursache sind nicht die Autos, sondern die hypermobile und vor allem die urbanzentrierte Wohlstandsgesellschaft, die wir mit falschen Verboten um jeden Preis erhalten wollen. Dabei lassen wir das energetisch effizientere Ländliche verkommen. Ja, wir knechten die deutlich ärmere Landbevölkerung mit scheinbaren Lösung für Probleme der (Groß-)Städte. Es ist ein Trauerspiel, wenn man zuschauen muss, dass nicht die Verursacher bestraft werden. Es fehlt uns einfach die ganzheitliche Förderung der energiearmen Lebensweise. Ein Beispiel des Irrsinns der letzten Tage: Sprit verteuern (ist legitim) und Pendlerpauschale für die Vielfahrer erhöhen. Wer also nur wenige Kilometer zur Arbeit hat, wird abgestraft, wer viel CO2 rauspustet - belohnt.
  
Erwischt. Ja, ich habe ein paar Summanden im Fahrwiderstand unterschlagen, und die machen es dann wohl aus. Also gut, auf den nächsten regulären Werkstatttermin warten 8-)

Tja, die leicht verfügbare Energie war neben dem Willen zur Arbeit der Motor der heutigen technisierten Wohlstandsgesellschaft. Und es gibt darin durchaus Dinge, die ich nicht missen möchte: fliessendes Trinkwasser, Elektrizität, medizinische Versorgung, humaner Umgang miteinander & Kultur, Rechner & das Internet, um nur ein paar zu nennen.

Klar, die Lebensweise der Industrieländer stößt an seine Grenzen. Diese aber zu erhalten bei deutlich geringerem Energieverbrauch wäre durchaus ein lohnenswertes Ziel. Wenn die "Gretas von heute" dieses Ziel fest im Auge behalten, kann das durchaus was werden ― aber es ist ein veritabler Dauerlauf, damit kann die Generation "Fridays for Future" getrost in Rente gehen. Und hätte erhalten, was eine oder zwei Generationen vorher geschaffen wurde. Ok, jetzt bin ich aber vom Hölzchen zum Stöckchen... Ach, und mein Sports Utility Vehicle heißt auf deutsch Fahrrad.

BTW Mir wäre nicht bekannt, dass es eine merklichen Unterschied im Pro-Kopf-Energieverbrauch zwischen Stadt und Land gäbe. Würde mich interessieren...
  
Der energetische Verbrauch... Hmm. Irgendwo im Fernsehen mitbekommen. Die Zersiedelung, Entvölkerung und immer weniger Geschäfte/Ämter vor Ort sollen die Bilanz verschlechtern.
Und ja, ich will auch nicht täglich zu Fuß mit der Juttetasche 3 km zum Geschäft latschen. Das Auto ist zu praktisch! Über Wasserstoffantrieb würde ich mich sehr freuen. Strom dafür produziere ich genug.